Wildfliegen & Anwohner

Mai
1

Long time no see. Das liegt leider daran, dass der Goblin 570 ein Traumheli ist und der Heli einfach schnurrt wie ein Kätzchen. Keine Mucken, meine Macken, kein Crash – RC-Helifliegen, wie es sein soll. Man widmet sich dem Genussfliegen und hat mit Tuning, Basteln & Co. kein Problem…

Aus dem Grund widmen wir uns heute mal einem ernsten Thema: Wildfliegerei und Ärger mit Anwohnern. Ich fliege nun seit mehr als 7 Jahren auf bei mir unmittelbar angrenzenden Feldern & Futterwiesen, ohne, dass es auch nur einmal Ärger gab. Anwohner und mich trennt eine gut befahrene Landstraße. Heute gab es dann die Premiere, wurde irgendwie auch Zeit, oder? Während meines dritten Akkus hörte ich auf dem Wirtschaftsweg hinter mir einen Kleinwagen, flott, lauter Motor, beherztes Bremsen in der Feldeinfahrt hinter mir. Kurz darauf baute sich neben mir etwas auf und blaffte herum, ob “ich ihm weiter mit meinem scheiß Heli auf den Sack gehen will”. Keine Begrüßung, sondern Haß pur.

In einer solchen Situation ist Deeskalation angesagt, alles andere ist kontraproduktiv - und mal im Ernst: auf so ein verbales Niveau sollte man sich einfach nicht herablassen. Man kann aber schnell & einfach die Luft aus dem Gespräch lassen, in dem man sich wie zivilisierte Menschen benimmt:

  1. Höflich fragen, ob man kurz Landen dürfe, da eine Unterhaltung ansonsten nicht möglich ist und Reden beim Fliegen gefährlich ist.
  2. Sich mit einem Lächeln und mit Namen per Handschlag vorstellen
  3. Das Gegegnüber freundlich mit seinem Namen begrüßen

Und weggeblasen war sie, die Agression. Habe beim Ausstrecken meiner Hand selten in ein SO verdutztes Gesucht geschaut. Merke: stellst Du Dich mit Namen vor, bist Du nicht mehr der namenlose Asi auf dem Feld, sondern Fleisch & Blut mit Namen drauf.

Christian erklärte mir anschließend, dass er am Wochenende das Blattschlagen des Helis nicht mehr hören kann. An die Straße habe er sich gewöhnt, an den Heli aber nicht. Kommunikationstraining, Teil 2: Als allererstes Verständnis für Dein aufgebrachtes Gegenüber entgegenbringen (“Ich kann verstehen, dass Dich das stört.”, egal ob gerechtfertigt oder nicht!), worauf die meisten Menschen ebenfalls komplett den Blutdruck herunterfahren. Die Gelegenheit nutzen, und betont freundlich Fakten schaffen:

  1. Wildfliegen ist erlaubt.
  2. Es gibt in Deutschland kein Gesetz, was E-Wildfliegerei (hier) verbietet.
  3. Man ist versichert, man hat eine Einverständniserklärung, man gefährdet niemanden.
  4. Die Autos auf der stark befahrenen Straße hält er ja auch nicht an. Mit welchem Recht meint er, mich in diesem Ton anzugehen, oder es mir zu verbieten?

Die Punkte 1-4 kurz einwirken lassen, und die Erkenntnis dämmern lassen, dass man sich auf Augenhöhe bewegt und niemand Recht hat. Auf dem Papier sehe ich das Gesetz auf meiner Seite, auf der anderen Seite nützt einem Ärger mit den Nachbarn aber auch nichts. Halten wir uns vor Augen: Deine Freiheit als Wildflieger hört da auf, wo Du die Freiheit Deiner Mitmenschen einschränkst. Das ist einer der Gründe, warum wir froh sein sollten, hier in Deutschland zu wohnen.

Nach einer sachlichen Erklärung, wie sich die Situation für ihn darlegt, geht es an die Problemlösung – wie arrangiert man sich, so dass der Nachbar seine Ruhe hat, ich aber trotzdem fliegen kann? Ich habe als zweite Option eine Futterwiese im Rücken, die in die entgegengesetzte Richtung den Hang hinab verläuft. Eigentlich ideal, leider höher bewachsen und gegen die Sonne teilweise. Diese muss ich aber sowieso nutzen, da das Feld dauernd bepfanzt ist und ich wenig Lust habe, meinen Heli im Mais zu suchen … ich fliege also nur in der Acker- und Saatzeit an dieser Stelle. Da fällt es einem leicht, entgegenzukommen.

Der Kompromis ist also einfach: ich nutze am Wochenende bevorzugt die Wiese, oder nutze das Feld für 3D-lose Flüge (der Goblin ist im LowRPM-Wiesenschleichen lautlos). Klar kann man in so einer Situation sein Gegenüber auch anmachen und auf seinem Rect beharren – sowas bringt aber niemanden weiter. Der gute Christian findet’s OK so, ich habe meine Ruhe, und dann wurde sogar noch ein schönes Wochenende gewünscht. Schauen wir mal, wie’s wird …

Ambitioniertes Einsteiger-Setup: Align T-Rex 500L Dominator

Nov
16

 

Wegen verschiedener Anfragen zum Anfänger-Post hier mehr Details. Wie erwähnt bin ich nicht überzeugt, dass dieses Setup das Optimum für einen Einsteiger ist, der erst einige Hopser mit Nano-Helis hinter sich hat. Schauen wir uns die Soll-Seite der 500er-Klasse an:

  1. Hohe Anschaffungskosten, Einstieg ohne Hilfe kann anstrengend werden
  2. Empfindlich und wartungsintensiv, da jeder noch so kleine Bodenkontakt oft teure Reparaturen nach sich zieht
  3. Deutlich komplexere Technik bei geringerer Fehlertoleranz
  4. Erhebliches Gefahrenpotential

Wenn ich mir beispielsweise einen Vertreter der Mikroheliklasse, den Blade 130X, so ansehe, dann ist das in der Theorie das bessere Einsteigermodell:

  1. Günstig in Anschaffung, alles was man so braucht ist dabei
  2. Deutlich einfachere Technik mit wenig Setupaufwand
  3. Hohe Crashresistenz, denn Umkipper oder Stürze gehen oft glimpflich aus (live erlebt)
  4. Geringe Lipo-, Ladetechnik- und Ersatzteilkosten

Gegen RTF-Modelle dieser Größe spricht ein gewisses negatives Grundrauschen und viele schlechte Kritiken in den Onlineforen, ein unpräziseres Flugverhalten sowie schwankende Qualitätsstandards. So gibt es scheinbar eine Masse an Montagsmodellen vom 130X, die den kleinen Kerl zum Groschengrab mutieren lassen können. Persönliche Erfahrungen kann ich hier allerdings kaum beisteuern, ich kenne den Blade 130X nur flüchtig. Einen Akku lang hatte ich ihn an den Knüppeln, das mit den Baukasten-Komponenten abspulbare Programm fand ich durchaus ordentlich (Speedcircles rückwärts, Tic Tocs). Letzten Endes muss jeder selber wissen, wie er beginnen möchte. Pro & Contra findet man überall, und selbstverständlich weiß jeder, den Du fragst, es besser …

Aber genug der Schwarzmalerei, sehen wir den 500er als erstes, richtiges Modell von seiner positiven Seite:

  1. Einwandfreier Lageerkennung dank 1 Meter Rotordurchmesser
  2. Sattes Fluggefühl dank 2 kg Abfluggewicht
  3. Ausgewachsene, robuste Mechanik
  4. Deutlich unempfindlicher gegen Windeinflüsse
  5. Schrauben, wie für Männerhände gemacht

Mit genug Simulator-Training und einer Art Paten im Schlepptau, der die schlimmsten Katastrophen verhindert und viele Fragen im Keim erstickt, kann es glaube ich gut gehen. Die ersten Schwebeversuche bestätigen mich da, aber warten wir die bittere Kampfschwebephase ohne L/S ab. Da ich mit meinen sachlichen Argumenten nicht gegen die Herzensangelegenheit “Großer Heli!” ankam, habe ich folgende Einkaufsliste zusammengestellt. Unbestritten ist, dass es für jede dieser Empfehlungen eine handvoll Alternativen gibt, bestimmt auch Quellen mit besserem Preis, aber irgendeinen Tod muss man am Ende sterben.

Budgetvorgabe: 1.000 EUR, mein Favourit war aus diesem Grund ein 450er-Modell, um mit den gesparten Combo- und Lipokosten das Ersatzteilbudget großzügig aufzustocken. Aber da redet man sich ja den Mund fuselig, also los geht’s:

  1. Align Super Combo 500L Dominator
    Align ist eine Markt- und Branchengröße, die Baukastenqualität bessert sich ständig, bewährte Plattform, sehr gutes Händlernetz, rund-um-glücklich Paket in Sachen RC-Komponenten erleichert den Einstieg und dürften bis zum Rundflug ausreichen. Mainstream pur, aber ich sehe das als Chance, nicht als Nachteil.
  2. Turnigy 6S Lipo 3300 mA
    Mein ältester Turnigy hat drei Jahre und fast 200 Zyklen auf dem Buckel, akzeptable Leistung zu akzeptablem Preis. 30C reichen für’s Schweben sowie für sportlichen Kunstflug. Gerade der Einsteiger soll viel fliegen und Praxis sammeln, was bei “deutschstämmigen” Lipos zu 70, 80, 90 EUR deutlich teurer wird. Drei dieser Hobbykönig-Treiblinge werden in der ersten Zeit also vollkommen ausreichen.
  3. Loctite Stick
    Einfacher zu handhaben als flüssige Schraubensicherung.
  4. Inbus-Set
    Mein Set hält seit 4 Jahren und fängt erst jetzt so langsam an, “rund” zu werden. Das sind hobbykasseschonende 5 EUR pro Jahr!
  5. Goldstecker 5,5mm
    Turnigy 6S 3300mA und viele Ladegeräte kommen mit 4mm Goldies daher. Je nach Kabeldicke können 5,5mm Varianten einfacher zu verarbeiten sein, daher ist das Umrüsten auf 5,5mm optional zu sehen.
  6. Kugelkopfzange
    Kugelpfannen und Fingernägeln zuliebe :-)
  7. Spektrum AR6210 DSMX-Empfänger
    Eine DX6i ist vorhanden, die für den Einstieg vollkommen ausreicht. Mir hat zumindest in 4 Jahren Heliflug nichts an der DX6i gefehlt, mein Umstieg auf die DX8 war reiner Luxus. Ja, beleuchtetes Display und Timer auf Gas sind nett, aber den Umstieg auf die DX8 nicht zwingend wert. Wenn ich eines nicht leiden kann, dann ist das Marken-Fanboygehabe und das Einreden auf einen Einsteiger, dass es auch von Anfang an eine Highend-Funke sein muss. Der Neuanschaffungs/Wiederverkaufswert der DX6i ist akzeptabel, damit kann man die ersten 2, 3 Jahre locker mit fliegen. Teurer geht immer, aber der Einstieg ist schon teuer genug. Den AR6210 kann man Anfangs ohne Sat verwenden, sobald es höher hinausgeht mit einem Satelit aufrüsten.
  8. Robbe PowerPeak C8
    Meine schwierigste Entscheidung: von Hobbyking-Ladern höre ich wenig gutes, ein Kombigerät 220V/12V reduziert die Komplexität und erspart die Anschaffung eines zusätzlichen Netzteils. Das C8 lädt mit 110W 3300mA 6S-Lipos in akzeptabler Geschwindigkeit, später kann man immer noch auf ein externes Netzteil ausweichen und 180W abrufen. Selber habe ich ein Hyperion 730i, und einem Einsteiger 200 EUR und mehr nur für ein Ladegerät zu empfehlen halte ich für “too much”. Den Lader hätte ich auch im Falle eines 450er-Set (3S) empfohlen, damit man beim Aufstieg zu 500/550er beim passenden 6S-Lader bleiben kann.
  9. Microbeast Bevelbox
    Ja, gibt es auch mit Rotorblatt-Adapter. Ich schnalle die Box einfach auf die Blatthalter und gut ist…
  10. Feuerfeste Dokumentenbox
    Online für knapp 40 EUR, bei Aldi & Co. ab und wann für 30 EUR zu bekommen, verhindern diese Boxen im Brandfall Schlimmeres. Der Lipo fackelt in Ruhe in der Box ab, lediglich die Rauchentwicklung bleibt einem nicht erspart. Das kleinere Übel…
  11. Kleinkram wie Schrumpfschlauch, Tesa Montagsklebeband, Kabelbinder, Kabelspirale etc. aus dem örtlichen Baumarkt.

Ein mehr oder weniger rundes Paket, dass für knapp 900 EUR einen robusten Einstieg und mindestens 1, 2 Jahre Spaß verspricht (Ersatzteile natürlich außen vor!). Technisch gesehen macht der Heli langfristig alles mit, was man sich als Pilot fliegerisch vornimmt. Querverweis: Alan Szabo jr. und seine ersten Flüge mit dem T-Rex 500 Dominator – wie üblich setzt der Pilot die Grenzen, nicht die Mechanik.

Es ist immer derselbe Eiertanz: kaufe ich billig, fliegt’s sich bescheiden und der Einsteiger sagt “Bah, das macht keinen Spaß, ich hör auf!”. Empfiehlt man mittelpreisiges Equipment (Hightech ist das dort oben nun wirklich nicht), schreckt das schon viele Einsteiger ab, obwohl der Flug mit qualitativ wertigen Modellen mehr Spaß und bessere Lernerfolge in Aussicht stellt, als es 3-Kanal Baumarkt-Helis tun. Der böse Satz, den auch wir als Anfänger nie hören wollten: “Kaufst Du billig, kaufst Du zwei Mal!”, er wird nie alt …

Lediglich wird die Größe im konkreten Fall hier über kurz oder lang der Knackpunkt sein, aber da ist beim 450er sehr viel schneller das Ende der Fahnenstange erreicht.

Erfahrungen mit den SAB Goblin 570 Eigenbau-Akkuschienen

Nov
14

Die selbstgebauten Akkuschienen für den Goblin 570 haben mittlerweile 50-60 Zyklen durch, und ich kann nichts Negatives berichten. Die Schienen halten 1a, lassen sich prima ein- und ausfädeln, ich kann keinen Nachteil entdecken. Habe daher einen weiteren Schwung Schienen bei Alfa-Carbon in Berlin nachgeordert, die innerhalb von 2 Tagen angekommen sind.

Eine der Schienen werde ich insofern modifizieren, als dass ich eine längere Nut rechts und links einfräse, um den Lipo damit direkt auf der CFK-Schiene einzuschrumpfen und so jegwedes Klebeband einzusparen. Adäquater Schrumpfschlauch für eure 6S 5000mA Lipos ein Flachmaß von 130mm, so wie beispielsweise der im MBZ Brakel.

Experiment “Schüler-Lehrer-Flug” mit dem SAB Goblin 570

Nov
10

Was können einige wenige Stunden nExt Simulator (http://www.rc-aerobatics.eu, 74 EUR als Download) aus einem unerfahrenen Nano CPX Einsteiger machen?

Mehr als man glaubt, so getestet dieses Wochenende. Ein Kollege steigt von seinem schrottreif gehopsten Belt CP auf eine Align 500L Dominator Super Combo um – ob gerade DIESES Modell die perfekte Wahl für den ungeübten Einsteiger ist, das darf gerne kontrovers diskutiert werden. Ich sehe das nicht so, aber erkläre mal ‘nem erwachsenen Mann, dass der kleinere Heli die bessere Wahl ist…

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SAB 570 Baukasten-Rotorblätter vs. Torsion Blades 555 Flybarless Solid

Nov
1

Aus diversen Foren-Posts habe ich schon mitbekommen, dass die dem Baukasten beiliegenden Rotorblätter bei niedrigen Drehzahlen zum “Zwitschern” neigen. Kann ich so bestätigen, schlimm ist es nicht, aber bei niedrig geflogenen Drehzahlen will man sich ja eigentlich über den Flüsterbetrieb freuen und den Vögeln die Geräuschkulisse überlassen :-)

Da ich die KDS-Mechanik ohne Blätter verkauft habe, lagen hier noch Torsion Blades 555 Flybarless Solid in CFK-Ausführung herum. Mit einer Länge von 555 Millimetern sind die im Vergleich zu den Baukastenblättern (570 mm) marginal kürzer, da der Goblin für diese Rotorblattspanne konzipiert wurde, ist das aber kein Problem. Mit den Torsions ist das Zwitschern verschwunden, andere nennenswerten Auswirkungen auf das Flugverhalten, wie z.B. Stromverbrauch oder Wendigkeit, gibt es keine.

Kann man machen, muss man aber nicht. Ein Neukauf lohnt sich meiner Meinung nach nicht, wenn man ohnehin nur mit Kampfdrehzahlen unterwegs ist …